Wenn Nachbarschaftshilfe zum Versicherungsfall wird

Nachbarschaftshilfe ist eine feine Sache, vor allem in der Urlaubszeit. Praktisch ist es, wenn bei längerer Abwesenheit ein Nachbar die Blumen gießt und den Briefkasten leert. Allerdings ist niemand vor Missgeschicken gefeit, wenn er dem Nachbarn einen Gefallen tut. Besonders ärgerlich ist es, wenn dabei noch der Keller des Nachbarn vollläuft. Gleich zwei Gerichte mussten sich mit dem vorliegenden Fall befassen.

Blumengießen mit Folgen

Ein Nachbar des Geschädigten hatte die Aufgabe der Gartenbewässerung während der Abwesenheit des Hausbesitzers übernommen. Das notwendige Wasser dafür entnahm er dem Gartenteich. Diesen wiederum füllte er mit einem Schlauch wieder auf, wenn der Pegel zu niedrig sank. Allerdings vergaß er einmal, das Wasser abzudrehen. Der Gartenteich lief über und Wasser drang in den Keller ein. Der Schaden belief sich auf 7.300 Euro. Der Geschädigte machte den Schaden bei seiner Hausratversicherung geltend. Diese erstattete den Betrag auch zunächst, nahm aber anschließend den helfenden Nachbarn in Regress. Der Versicherer klagte vor dem Landgericht Münster, die Klage wurde jedoch abgewiesen. Die Münsteraner Richter argumentierten, es handle sich um eine leichte Fahrlässigkeit, durch deren Folge das nachbarschaftliche Verhältnis nicht gestört werden solle. Die Klägerin müsse auch auf das langfristig gute Verhältnis Rücksicht nehmen.

Oberlandesgericht mit anderer Auffassung

Die Versicherung ging vor dem Oberlandesgericht Hamm in Berufung und bekam recht (Aktenzeichen: 9 U 26/15). Den Ausführungen der Richter zufolge sei alleine ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis kein Grund, eine Haftungsbeschränkung auf grobe Fahrlässigkeit oder Vorsatz zu unterstellen. Auch wenn der Nachbar nur leicht fahrlässig handelte, sei es dennoch legitim, ihn in Regress zu nehmen. Ein ausgedehnter Verzicht auf Schadensersatzforderung sei nicht gegeben, dem Versicherer stünde also die Rückzahlung der offenen Summe zu.
Es bleibt in diesem Fall zu hoffen, dass der Verursacher über eine private Haftpflichtversicherung verfügt, welche er in diesem Fall in Anspruch nehmen kann. Die Haftpflichtversicherung sollte aber in jedem Fall einen Leistungseinschluss von Gefälligkeitsschäden vorsehen, damit in einem solchen Fall geleistet wird.

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