Ein Haftpflichtfall – speziell, und doch alltäglich

Man sieht sie immer wieder in Parks, im Wald und auf Feldwegen – Fahrradfahrer. Es gibt allerdings eine ganz besondere Spezies. Dabei handelt es sich um die Radfahrer, die ihren Hund an der Leine nebenher laufen lassen und folglich häufig nur mit einer Hand lenken können. Wer schon einmal einen Hund auf diese Weise Gassi geführt hat, wird bestätigen, dass er sein Fahrrad nicht zu 100 Prozent unter Kontrolle hatte. Ein Fall, in dem ein Hundehalter seinen Tieren auf diese Weise Auslauf verschaffte, landete jetzt vor Gericht.

Ein praktischer Fall

Ein Hundehalter fuhr, die Leinen seiner zwei Schäferhunde an der Hand, mit dem Fahrrad. Ein anderer Hundehalter tauchte auf. Das fremde Tier wollte zu dem Radfahrer, dieser musste abrupt bremsen und stürzte. Die Folge war eine schwere Handverletzung, die mit 20 Stichen genäht werden musste und eine 18tägige Arbeitsunfähigkeit. Der Radfahrer verklagte den anderen beteiligten Hundehalter auf 1.500 Euro Schmerzensgeld. Das zuständige Amtsgericht Steinfurt reduzierte die in Ansatz zu bringende Summe zunächst auf 800 Euro und gestand dem Kläger davon aber lediglich 200 Euro zu. Die Begründung lautete, dass er selbst fahrlässig handelte, als er mit zwei Hunden an der Leine einhändig Fahrrad fuhr. Zur Abwendung der Gefahr hätte er anhalten oder absteigen müssen. Das Landgericht Münster stimmte in der Berufung dem Urteil der Steinfurter zu (Aktenzeichen 01 S 56/15).
Den Fußgänger selbst traf allerdings durchaus die Schuld, dass er seinen Hund nicht unter Kontrolle hatte.

Hundehalterhaftpflichtversicherung nur teilweise verpflichtend

Der hier geschilderte Vorfall stellt einen klassischen Fall für eine Hundehalterhaftpflicht dar. In einigen Bundesländern bereits Vorschrift, zieren sich andere noch, eine solche Police für alle Vierbeiner, rasseunabhängig, zur Pflicht zu machen. „Der macht nichts – ach, das hat er ja noch nie gemacht“ – dieser von Hundehaltern häufig geäußerte Satz zeigt, dass kein Hund zu 100 Prozent kontrollierbar ist und immer ein Restrisiko bleibt.
Während eine Hundehalterhaftpflicht zumindest teilweise zwingend ist, kann sich der Gesetzgeber nicht dazu durchringen, eine private Haftpflichtversicherung, wie die KFZ-Haftpflichtversicherung, zur Pflichtversicherung für jeden Haushalt zu machen. Vorstöße dieser Art haben nicht als Hintergrund, den Schädiger kostenfrei zu stellen. Hintergrund ist vielmehr, dass der Geschädigte auf jeden Fall seine ihm zustehende Kompensation erhält. Ein Gericht kann eine noch so hohe Regressforderung bestätigen. Sie nutzt dem Opfer nichts, wenn der Verursacher dafür nicht einstehen kann.
Auf der anderen Seite hat eine private Haftpflichtversicherung natürlich auch für den Schadensverursacher eine existenzsichernde Funktion. Eine Regressklage nach einem Unfall, weil ein Passant auf dem nicht-schneegeräumten Weg vor dem Grundstück zu schwerem Schaden kam, kann den Verursacher sein Leben lang begleiten.

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